Sprache schafft Realität

erstellt von Roman Schmidt, am 29. Januar 2010 Kategorie: Inspiration,Wertschätzung Keine Kommentare

Der Volksstamm der Piraha im brasilianischen Amazonasgebiet hat lediglich Zahlenwörter für eins und zwei. Soziologen gewannen im Experiment eine höchst bemerkenswerte Erkenntnis. Bat man Probanden des Stammes zu Bauklötzen die selbe Anzahl an Bauklötzen dazuzulegen, so zeigte sich, dass dies bei einem Bauklotz gelang, genaus bei zwei Klötzen, jedoch bei drei, vier und einer höheren Zahl an Bauklötzen war das Ergebnis rein zufällig. Diese Menschen haben kein Wort für vier, fünf oder etwa sechs, damit haben diese Zahlen auch keine Bedeutung, sie bleiben undeutbar. Sie können mit diesem Realitätsbereich nicht umgehen. Ihre Vorstellungskraft reicht nicht, ist nicht entsprechend geschult bzw. ihr Denken gibt den Zahlenwörtern keinen Raum. Nur das, was für uns denkbar ist, ist auch realisierbar, in die Realität bringbar. Wenn ich kein Wort für “fünf” habe, hat die Zahl Fünf auch keine Bedeutung. Ich kann damit nicht umgehen. Sie bedeutet mir nichts.

Erfolg ist damit zu einem Gutteil Gedankenarbeit, einerseits “Mentalhygiene” und andererseits kontinuierliche Sprachschulung, um das Künftige im Denken und Reden vorwegnehmen, oder besser noch im Geiste zu erschaffen, quasi als Anleitung für die Materialisierung. Wir schaffen mit Worten und Gedanken “Bedeutungen” und entscheiden damit, was künftig bedeutend wird. Unser heutiges Denken und Reden ist unsere Realität von morgen. Wenn wir mit unserer Sprache nicht unser Umfeld gestalten, sprachlich vorwegnehmen, dürfen wir uns nicht beschweren, wenn wir das bekommen, was wir uns unkontrolliert erdacht haben.

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