Die Kultur des Sterbens
Gerne wird der Tod weggeschoben, tabuisiert, möglichst wenig darüber gesprochen. Doch er ist unerschütterliche Gewissheit. Wenn es darum geht, Abschied von geliebten Menschen zu nehmen, können wir im Steirischen Vulkanland auf eine sehr hohe Kultur stolz sein. Sie ist unendlich wertvoll. Rituale helfen uns, die Trauer auszuleben, sie zu verarbeiten.
Viele meinen, es sei viel zu organisieren, wenn der Vater, die Mutter, Verwandte, Freunde oder gar unerwartet Kinder oder Enkerl sterben. Die Kirche, die Bestattung, Partezettel, die Trauergemeinschaft einladen und vieles mehr erscheint uns aus der Distanz als große Belastung. Doch die Anteilnahme der Menschen und die Hilfsbereitschaft von Verwandten, Nachbarn und Freunden sind überwältigend. Mit wenigen Worten und Telefonaten sind Menschen zur Stelle, die aus einem natürlichen Selbstverständnis heraus Verantwortung übernehmen und sich mit ganzer Kraft und großem Können einbringen.
Das ist Ausdruck einer außergewöhnlichen Lebenskultur unserer Region. Wir haben den Bezug zum Tod nicht verloren, wir haben den Umgang mit ihm über viele Generationen bewusst gelebt und verfeinert. Die Riten der Kirche helfen uns, die so wichtigen Meilensteine des Lebens in ihrer tiefen Bedeutung wahrzunehmen und zu beachten. Einer dieser „Meilensteine“ in der kirchlichen Mystik ist schließlich auch der Tod.
In unserer materiellen Welt wird das Spirituelle allzu oft weg geschoben. So lange, bis etwas unwiederbringlich verloren ist. Wir sollten wieder lernen, bewusster mit dem Sterben umzugehen. Die liebevolle Begleitung, das bewusste Gespräch darüber, das Erkennen des Zeitpunktes des Abschieds und die Riten der Kirche helfen uns, das Unvermeidliche anzunehmen. Familien, die mit ihren Lieben gemeinsam die letzten Stunden und Minuten verbringen, erfahren eine Erlösung, Erleichterung, erfahren tiefes Verständnis und Liebe. Das Sterben wird so zu einer Art „Fest“, ein Fest der Freude darüber, die letzten Momente und Atemzüge gemeinsam erlebt haben zu dürfen. Zeugnis einer hohen Lebenskultur. Zeugnis großer Wertschätzung. Zeugnis einer Gemeinschaft im Leben, die der Tod nicht zu trennen vermag.
Das Sterben ist kein Tabuthema. Es ist Teil unseres Alltags. Lernen wir auch dieses Kapitel im Leben zu schätzen, lernen wir den Umgang mit dem Sterben und erkennen wir so am Sterbebett eine Beziehung, die weit über den Tod hinausreicht.
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