Alois Winter hört nicht auf zu graben
Ein Kellergeheimnis der ganz besonderen Art hat Alois Winter aus Straden zu lüften.
Seine Bescheidenheit hat er sich bewahrt. Dabei hat der frühere Direktor der Raiffeisenbank Straden über Jahrzehnte klammheimlich eine Sehenswürdigkeit geschaffen, von der die großen Weingüter ringsum nur träumen können. Er hätte also allen Grund, ein bisserl anzugeben. Alois Winter hat sich mit seiner Hände Kraft einen Weinkeller gegraben, aber nicht irgendeinen. Sein Stollen führt rund 100 Meter in den Stradener Schwemmkegel hinein. Die Marktgemeinde Straden thront geologisch betrachtet nämlich auf einem vom Urmeer umspülten, durch Sedimentation verdichteten Kegel aus Sand und Schotter.
Beharrlicher Tunnelbauer
Wie viele zehntausend Scheibtruhen er aus dem Stollen gekarrt hat, weiß Winter nicht. Er hat die ersten 40 Jahre nicht mitgezählt. Erst kürzlich machte Alois Winter sich die Mühe, bei einem Bauabschnitt Buch zu führen. „Rund 450 Scheibtruhen Sand und Schotter habe ich bei den letzten beiden Nischen gezählt“, berichtet Winter und hat ganz auf das kleine, aber entscheidende Wörtchen „vorerst“ vergessen. Sind es doch die vorerst letzten Nischen. Im Jänner und Feber, wenn seine Minilandwirtschaft ihn nur wenig in Anspruch nimmt, findet man ihn am ehesten wieder unter Tag. Dann werden weitere Nischen dazukommen, alle mit akribisch genau geputzten, uralten roten Maurerziegeln ausgekleidet. Einen der Ziegel zieren sogar die Initialen von Heinrich Drasche, dem Gründervater der Wienerberger Ziegelwerke. Hervorragendes Maurerhandwerk, wie ihm auch erfahrene Maurer nach der Besichtigungen versichern.
Alois Winter ist zudem ein exzellenter Weinbauer, auch wenn seine Flächen nicht in Hektar, sondern in Ar zu Buche schlagen. All jene, die eine Besichtigung seines „Katakombenkellers“ erbitten, können sich am Ende der Führung davon überzeugen, wenn sie nicht gerade um die Weihnachtszeit kommen. Dann sind die feinen Tröpferl nämlich üblicherweise gut, aber aus. „Der Neue bekommt noch ein bisserl Zeit zum Reifen.“ Alois Winter hat es nicht eilig. Er weiß, Besonderes braucht Zeit. Sehenswert ist aber nicht nur das Kellerjuwel in Straden, sondern auch sein Vulkanfelsenkeller am Rosenberg in Stainz. Dort kann man im hinteren Bereich des Kellergewölbes eindrucksvoll sehen, wie die heiße Lava vom Stradnerkogel südwärts zog. Mit Sandsteinen, die sonst als Fundament im Straßenbau gelandet wären, hat Winter das Kellerstöckl hochgezogen.
Alois Winter hat sich mit seinem Keller einen abenteuerlichen Bubentraum verwirklicht. Pensionierter Raiffeisendirektor, Wein- und Tunnelbauer und, das soll auch nicht verheimlicht werden, ein exzellenter Witzeerzähler – das alles und mehr ist Alois Winter aus Straden. Und er gesteht: „Man muss schon einen ziemlichen Vogel haben.“
Katakombenkeller
Die Freizeit von vier Jahrzehnten hat Alois Winter in den Bau seines Kellers investiert. 100 Meter führt das Gewölbe mit Seitennischen in den Berg hinein. Zigtausende rote Maurerziegel wurden zur Auskleidung des Kellers verwendet. Führungen im Katakombenkeller Straden bzw. Vulkanfelsenkeller Rosenberg gegen Voranmeldung unter 0664/4752865.
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